Wie und wieso wird man zum Besserwisser? Kann man das lernen oder ist das eine Begabung?

Und, macht das glücklich?
Viele davon kannte ich früher nicht. Seit sieben Jahren kenne ich sie alle. Denn seit sieben Jahren habe ich Sidi, meinen kleinen Rauhaardackel, nicht größer als eine Katze. Die Schlaumeier bleiben stehen, kommen rüber oder platzen mitten im Gespräch mit ihren Schlaumeiersprüchen raus. Also, was treibt diese besondere, nicht sehr sympathische Spezies an? Wollen sie meinen Sidi vorm nahen Untergang, Tod, Leid, oder einfach nur vor mir retten? Mein Sidi, der nicht verwöhnter sein kann als ein Einzelkind. Auf den ich jeden Tag aufpasse. Ist das Futter auch gesund? Bekommt er alle Nährstoffe, die er braucht. Ich muss unbedingt nochmal raus mit ihm, denn Sidi hatte nicht genug Bewegung. Warum kratzt er sich? Hat er was? Oh, mein Gott er kotzt. Los, sofort zum Tierarzt!

Meine letzte, noch recht harmlos Kopfschüttel – Erfahrung, fand in einem Restaurant statt.
Fremde Frau zu mir: „Ihr Hund hat Durst.“ Zack, da liegt der Spruch auf meinem Tisch. Einfach so, aus dem Nichts.
Ich: „Wie bitte?“
Frau: „Ihr Hund hat Durst. DAS HÖRE ICH.“
Dabei belassen wir es erst mal. Diese Darbietung war leicht verdaulich. Andere Begegnungen gehen von schlimm bis schrecklich.

“Der Kluge lernt aus allem und von jedem, der Normale aus seinen Erfahrungen und der Dumme weiß alles besser.”

– Sokrates –

Ich bin kein Hundeexperte. Falls ich es wäre, würde ich Martin Rütter Konkurrenz machen und eine Menge Geld damit verdienen. Wäre nicht das Schlechteste. Ich bin aber keine Expertin, doch ich kenne meinen Sidi, und auf sinnlose ungefragte Ratschläge reagiere ich heute nicht mehr. Meiner Erfahrung nach führt das zu nichts. Es wird nur schlimmer, denn der Besserwisser will ja weiter unter Beweis stellen, dass er sehr schlau ist. Aufpassen, das wird sonst zur Endlosschleife. Wenn ich nur mal einem „intelligenten Experten“ begegnen würde. Einem, der wirklich Bescheid weiß. Den ich fragen könnte, wenn ich mal eine Frage habe. Das wäre ein Geschenk!

Oder sollte ich selbst zur Besserwisserin werden? Ob mir das steht? Was für ein verrückter Gedanke.

Ach, das wäre mir doch viel zu anstrengend. Ständig müsste ich auf andere aufpassen und nach deren Fehler suchen. Das könnte ich machen, wenn ich nichts zu tun hätte, oder mich selbst so unterirdisch fände, dass es mich aufwerten würde, wenn ich allen anderen Unzulänglichkeiten nachweisen könnte. Das lasse ich mal lieber. Blöde Idee! Mein Mann würde jetzt allerdings einwerfen: „Wieso, bei mir findest du doch immer etwas zu verbessern.“ Anderes Thema! 🙂

Ich habe einen ganz anderen Vorschlag: Ihr dürft alle machen was und wie ihr es wollt. Mir ist es egal, denn ich bin überzeugt davon, dass ihr das schon richtig macht. Genauso wie ich und mein Sidi, denn die Wahrheit liegt immer irgendwo dazwischen und es ist doch nie so, wie es scheint.

So, ich geh mich mal um meinen Sidi kümmern und schau mal, ob mein Mann gerade alles richtig macht. 😉


Photos © Angela Schiewer | Modell: Sidi, Zwergrauhaardackel

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2 Kommentare

  1. SAbine sagt

    Liebe Angela, was für ein netter Beitrag, der mich sehr zum Schmunzeln gebracht hat…auch als „Nicht-Hundebesitzer“.

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